Napoleon Apolda Radundtour

Apolda – Schötener Grund – Schöten – Hermstedt – Krippendorf –Closewitz – Cospeda  – Lützeroda – Vierzehnheiligen – Kleinromstedt – Großromstedt – Kapellendorf – Oberndorf –  Sulzbach – Herressen – Apolda.

Der Rundweg führt uns von Apolda über die Hochebene nordwestlich von Jena durch das Weimarer Land. Weite Teile der Strecke erinnern durch ver­schiedene Gedenksteine und Tafeln an das Jahr 1806, als die preußische Armee von Napoleons Truppen vernichtend geschlagen wurde. Wir kommen an der historischen Bockwindmühle bei Krippendorf und am Museum 1806 vorbei, fahren durch das kleine Dorf Vierzehnheiligen, in dessen unmittelbarer Nähe die entscheidende Schlacht stattfand und besteigen den Gedenkturm auf dem Sperlingsberg.

Aber auch der Genuss­faktor kommt bei der Tour nicht zu kurz. Wir erleben die Töpfereien von Peter Krause und Petra Töppe-Zenker, speisen rustikal und plündern zahlreiche, schmackhafte Birnen- und Apfelbäume.

Abschnitt 1: Apolda - Cospeda

Wir starten unsere Tour am Bahnhof von Apolda. Hier sehen wir auch erstmals die weißen Radschilder zum Napoleonradweg, denen wir große Teile unserer Strecke folgen werden. Dieser Weg führt die Bahnhofstraße hangabwärts zum Apoldaer Stadthaus, wo wir linkerhand in die August-Bebel-Straße einbiegen. Nach nur wenigen Metern gelangen wir an einem Kreisverkehr am Schrönplatz in die Schötener Promenade. Durch diese fließt ein kleiner Bach, den wir von nun an die nächsten 3 km bis zum Ortseingang Schöten folgen. Auch hier ist der Radweg weiter ausgeschildert, so dass die Orientierung leicht fällt. Wir fahren durch den Ort hindurch an der Kirche vorbei in Richtung Hermstedt.

Töpferei Peter Krause

Im kleinen Örtchen Hermstedt liegt die Töpferei Krause – ein Familienbetrieb in der mittlerweile siebten Generation. Peter Krause erstellt hier auf der Töpferscheibe die typisch blau-weißen Keramiken nach Bürgeler Art. Dazu verwendet er hauptsächlich Ton aus der Region, den er selbst aufbereitet und in die gewünschte Gestalt bringt. Verziert mit den typischen weißen Tupfen, Tropfen und Schlieren wird die blaue Gebrauchskeramik von Ehefrau Sabine Krause. Besucher sind in der Werkstatt stets willkommen. Sie können zuschauen, sich über das Handwerk berichten lassen und Keramik erwerben.
Adresse: Dorfstraße 34A, 99510 Saaleplatte
Telefon: 03644 553832

An einer Einmündung biegen wir links und kurz darauf wieder rechts ab in Richtung Krippendorf. Der stetig ansteigende Landwirtschaftsweg führt an zahlreichen Kirsch- und Apfelbäumen vorbei, bis, weithin sichtbar, vor uns die markanten Züge der Bockwindmühle am höchsten Punkt auftauchen. Hier gibt es, neben der Möglichkeit dieses historische Bauwerk zu erkunden, auch eine schöne Picknickmöglichkeit.

Bockwindmühle Krippendorf

Weil ohne Wind aus der richtigen Richtung eine Mühle notgedrungen stillstand, erfand man die Bockwindmühle – den wohl ältesten Mühlentyp in Europa. Das Häuschen konnte so in die Richtung gedreht werden, aus der der Wind gerade kam. Dafür stand das gesamte Mühlenhaus auf einem einzelnen dicken Pfahl (dem „Hausbaum“), der senkrecht in einem unterhalb der Mühle befindlichen Stützgestell (dem „Bock“) befestigt wurde. Die Krippendorfer Bockwindmühle wurde im Jahr 1740 erbaut. Bekannt wurde sie durch die Zeichnung des Augsburger Schlachtenmalers Johann Lorenz Rugendas, der das markante Bauwerk festhielt. Die Mühle diente in der Zeit der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt im Jahre 1806 Freund und Feind als Orientierungspunkt. 2007 zerstörte der Orkan Kyrill das historische Bauwerk jedoch nahezu. Heute ist es auf Grund privater Initiativen wieder voll funktionstüchtig und kann nach vorheriger Absprache oder sonntags im vierzehntägigen Rhythmus besichtigt werden.

Wenige Meter hinter der Mühle sehen wir auch den ersten von mehreren Ereignissteinen des Weges. Die Steine erinnern an die verschiedenen Truppen, die hier im Jahre 1806 auf dem weitreichenden Gelände aufeinander trafen. Von nun an geht der Weg abwärts nach Krippendorf, wo wir an einer Miniaturvariante der Bockwindmühle vorbei Richtung Closewitz fahren. Über einen hügeligen Anstieg kommen wir – an einem kleinen Laubwäldchen vorbei – zur Turnvater-Jahn-Eiche. Der berühmte Sportpionier wurde hier persönlich Zeuge der preußischen Niederlage, was ihn Zeit seines Lebens anhielt, für die Freiheit und Einheit Deutschlands zu wirken. Kurze Zeit später erreichen wir den Ort Closewitz. Zum Winterende können Sie von hier aus gut zu einem kleinen Spaziergang in die Winterlinge aufbrechen. Die kleinen, gelben Blumen ziehen sich wie ein riesiger Teppich durch das anliegende Wäldchen und bilden ein einzigartiges Naturdenkmal. In Closewitz folgen wir rechts dem Napoleon-Radweg, der uns direkt nach Cospeda führt. Hier kommen wir über die Straße „Von der Grünenlaube“ linkerhand zum Museum 1806, dem Anlaufpunkt, will man sich über die historischen Ereignisse der Schlacht zwischen preußischen und napoleonischen Truppen informieren.

Abschnitt 2: Cospeda - Kapellendorf

Museum 1806

Das „Museum 1806“ wurde im Jahre 1856 errichtet und 1999 komplett überarbeitet. Der Besucher erhält hier einen umfassenden Überblick über den Verlauf der Schlachtereignisse zwischen der napoleonischen Armee und den preußisch/ sächsischen Truppen im Jahre 1806. Ein großes Modell des Schlachtfeldes demonstriert die Stellungen des Aufeinandertreffens. In Vitrinen sind zudem reichhaltiges historisches Karten- und Bildmaterial, Zeitzeugenberichte, Uniformen, Waffen und zahlreiche Fundstücke vom Schlachtfeld ausgestellt. Die Gedenkstätte informiert auch über den Alltag der Soldaten und die Auswirkungen des Krieges.

Ein Tipp ist die Ausleihe des Audiowalk von Janett Cardiff. Per Kopfhörer kann der Besucher hier auch klang- akustisch in die damalige Situation eintauchen: hört urplötzlich ohrenbetäubendem Kanonendonner, Pferdegetrappel, die Schreie von tödlich Verwundeten, schrille Kommandotöne und panisch flüchtende Deserteure. Er lauscht aber auch den stillen Erinnerungen einer Louise Seidler. Auf Wunsch sind auch geführte Wanderungen zum Schlachtfeld und den exponierten Orten des Geschehens möglich.

Öffnungszeiten:
30. November bis 31. März: Mi bis So 9:00 – 13:00 und 14:00 – 16:00 Uhr
1. April bis 29.November: Mi bis So 10:00 – 13:00 und 14:00 – 17.00 Uhr

Vom Museum 1806 fahren wir die Jenaer Straße rechts zum Gasthof zur Linde. Der typisch-thüringische Gasthof ist eine gute Möglichkeit zur Rast und bietet neben einheimischer Küche auch einen großen Biergarten.

Von hier folgen wir rechterhand dem Closewitzer Weg und biegen an dessen Ende links in den Schulweg. Hier geht es nach einer kurzen, steilen Abfahrt und einem ebenso kurzen und steilen Anstieg in das kleine Örtchen Lützeroda. Am Ortseingang weist eine große Gedenktafel auf die Gefechtsereignisse vor Ort hin. Solche Erinnerungstafeln sind hier vielerorts auf private Initiativen hin angebracht.

In Lützeroda folgen wir der Hauptstraße und biegen an der Einmündung im Ort links auf die Isserstedter Straße in Richtung Apolda. Bereits am Ortsausgang von Lützeroda sehen wir von weitem den Turm der romanischen Kirche des nächsten Ortes. Dieser Wallfahrtskirche verdankt das Örtchen im Übrigen seinen Namen. Als der „Sächsische Bruderkrieg” 1451 nach fünf Jahren zu Ende ging, verpflichteten sich die Streitparteien, weithin sichtbar eine Wallfahrtskirche zu bauen. Die vierzehn Nothelfer, die dies vollbrachten, gaben später, dem – im Krieg völlig zerstörten – Ort Lutzendorf seinen heutigen Namen Vierzehnheiligen.

Wir fahren durch den Ort, wo wir wieder auf die typische, Felder gesäumte Landstraße kommen. Zahlreiche Obstbäume entlang der Straße warten hier im Herbst auf Pflücker. An einer Einmündung ist es möglich, rechterhand für rund 500 Meter die relativ stark befahrene Landstraße in Richtung Apolda/ Kleinromstedt zu nutzen. Eine alternative Route führt durch das kleine Isserstedter Hölzchen. Eine Variante, die man allerdings nicht nach langen Regenperioden nutzen sollte, da sie aufgrund des Untergrundes recht schlammig wird. Dazu fahren Sie über die Einmündung hinweg auf den Waldweg. Hier umfahren Sie die hier befindliche Schranke. Nach zwei kleineren Einfahrten in unbefahrbare Waldwege biegen Sie rechts in den Wald ein. Nach ungefähr 200 Metern ist das kleine Wäldchen passiert. Halten Sie sich nun ca. 150 m rechts und biegen dann links in einen Feldweg ein. Hier gelangen Sie an einem Spielplatz vorbei in den Ort Kleinromstedt. In dem kleinen Dorf lohnt ein Abstecher zum Hofladen Nr. 5 an der Jenaer Straße. Hier wird neben selbsterzeugtem Senf, Fruchtaufstrichen und Nudeln auch freitags, aller vierzehn Tage, frisch gebacken. Dafür halten sie sich (sollten Sie über das Isserstedter Hölzchen gefahren sein) im Ort hinter dem Spielplatz rechts.

Gasthof Langemann

Die Großromstedter Straße führt leicht ansteigend wieder über Felder nach Großromstedt. Hier bietet sich eine gute Möglichkeit zur Einkehr im Gasthof Langemann. Dafür biegen Sie an der Bushaltestelle rechts ab. Kurz hinter dem Spielplatz finden Sie die Dorfschenke mit einfacher, rustikaler Hausmannskost. Allerdings ist hier Dienstag Ruhetag und mittags hat die Gaststätte zwischen 13.00 und 17.00 Uhr geschlossen.

Der Weg Richtung Kapellendorf  führt nun vom Gasthof aus rechts (gegenüber Bushaltestelle) auf einen Wirtschaftsweg. Hier gelangt man auf den Sperlingsberg und entdeckt circa 50 Meter vom Weg abgelegen, hinter Sträuchern und Obstbäumen versteckt, auf einer Anhöhe einen Turm. Das „Denkmal auf dem Sperlingsberg“ wurde zum Andenken an die Schlacht bei Jena und Auerstedt errichtet. Den circa sechs Meter hohen Turm kann man täglich besteigen und den Ausblick auf das umliegende Weimarer Land genießen.

Gedenkturm Sperlingsberg

Der Gedenkturm auf dem Sperlingsberg bei Kapellendorf wurde 1906 errichtet. Er erinnert an die letzte Schlacht zwischen Preußen und Franzosen, die 100 Jahre zuvor hier stattfand und den Abschluss der Doppelschlacht Jena-Auerstedt bildet. Ursprünglich wurde das Denkmal als Bismarckturm geplant, welche zu der Zeit überall im Lande entstanden. Die privaten Spenden der Kapellendorfer Bevölkerung reichten dafür allerdings nicht aus und man entschied sich für eine kleinere Variante zwischen Kapellendorf und Großromstedt. Der etwa 6 Meter hohe Turm mit Aussichtsplattform befindet sich auf dem kirschbaumbewachsenen Plateau des Sperlingsbergs und gibt einen schönen Blick auf das Weimarer Land frei. Vor allem nach Westen in Richtung Ettersberg, über die Ilmniederung und zur Saaleplatte ist die Sicht beeindruckend.
Nun geht es bis Kapellendorf bergab.

Abschnitt 3: Kapellendorf - Apolda

Im Ort angekommen, biegen wir nach links ab und erreichen nach nur wenigen Metern die mittelalterliche Wasserburg. Die gut erhaltene, circa 900 Jahre alte Burg hat bis heute ihren typischen Wehrcharakter behalten. Sie beherbergt ein Burgmuseum und ist seit vielen Jahren Veranstaltungsort für Theater, Kabarett und historische Märkte.

Keramikinteressierten empfiehlt sich, einen kleinen Abstecher in die Töpferei von Petra Töppe-Zenker in die Bäckerstraße unweit der Burg zu machen. Hier entstehen neben Gebrauchsgeschirr auch kleine, starke Stiere, deren Kraft gut für den nächsten Anstieg genutzt werden kann.

Um die Wasserburg herum geht jetzt ein kleines Stück recht steil bergauf bis auf die Landstraße. Dieser folgen wir nun über die Orte: Oberndorf, Sulzbach, Herressen bis zum Ortseingang Apolda.
Hier befahren wir den Radweg auf der Herressener Promenade entlang des Apoldaer Freibades und Sportplatzes. Im Jahr 2017 fand auf dem Gelände die vierte Landesgartenschau Thüringens statt, welche sich von hier über die gesamte Innenstadt und die Bahnhofsvorstadt erstreckte. Gezeigt wurden beispielsweise verschiedene Themengärten im Garten- und Landschaftsbau, Grab- und Denkmalgestaltung, Villengärten sowie Dach- und Fassadenbegrünung.

Über die Straße des Friedens erreichen wir nun den historischen Apoldaer Marktplatz. Hier steht das Apoldaer Rathaus, eines der ältesten Bauwerke der Stadt. 1673 musste man es nach einem verheerenden Brand neu aufbauen: Der Türmer, der von da an als Brandwächter fungierte, hatte seine Wohnung im Rathausturm zwischen dem Geläut und der Uhr. Um sein geringes Jahresgehalt aufzubessern, hielt er auch das Amt des Stadtmusikanten inne. Im Rathaus befindet sich die Tourist-Information der Stadt.

Wir überqueren nun den Marktplatz und verlassen diesen links über den Brauhof. Hier gelangen wir linkerhand bis zum Stadthaus. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite fahren wir wieder auf die nun ansteigende Bahnhofstraße, die uns an den Apoldaer Bahnhof zurückführt.

Quelle: Weimarer Land Tourismus | Autor: Nancy Droese | Fotos: Uwe Germar

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