Wein8

Bad Sulza – Auerstedt – Eberstedt – Darnstedt – Bad Sulza – Großheringen – Kaatschen – Kleinheringen – Sonnendorf – Bad Sulza

Die Wein-Acht ist eine wunderbare Doppelrunde von knapp 25 Kilometern durch den Thüringer Teil des Weinanbaugebietes Saale-Unstrut. Sie führt uns vom Weintor in der Kurstadt Bad Sulza aus zunächst an den geschützten Emsenteichen vorbei zu Schloss Auerstedt und von dort aus über einen Bergrücken nach Eberstedt, wo mit dem schwimmenden Hüttendorf an der historischen Ölmühle ein weiteres touristisches Kleinod wartet. Anschließend fahren wir vorbei an den Solebohrtürmen von Darnstedt wieder zurück in die Kur- und Weinstadt Bad Sulza. Vom Weintor aus geht es auf die zweite Schleife der Acht. Diese führt entlang von Ilm und Saale zum Weingut Zahn in Kaatschen. Nach einer kurzen Rast  schlagen wir den Rückweg ein – durch einen Zipfel von Sachsen-Anhalt, den Rehehäuser Berg hinauf und über den Sattel auf den Sonnenberg, wo sich das Thüringer Weingut Bad Sulza befindet, kommen wir wieder nach Bad Sulza.

Abschnitt 1: Ilmtal-Raddreieck

Wenn wir es jetzt nicht tun, wann dann? Die Trauben an den Weinstöcken sind bald reif, und bevor sie der Winzer abschneidet, sollten wir eine Runde durch die Weinberge in Thüringen gedreht haben.
Zuerst befahren wir das Ilmtal-Raddreieck. Ausgangspunkt ist, passend zum Thema, das Weintor in Bad Sulza. Was für ein schöner Ort. Umrankt von Wein führt der Ilmtal-Radweg genau durch das kleine Holzbauwerk hindurch.

Anfangs geht es in Richtung Auerstedt. Der Radweg vorbei am Bahnhof Bad Sulza Nord – ja, das kleine Städtchen hat sogar zwei Bahnhöfe, an diesem hier hält die sogenannte Pfefferminzbahn – ist ein wenig verwinkelt, aber gut ausgeschildert. An den Emsenteichen stoppen wir, vor allem der zweite sei Naturfreunden empfohlen. Hier wachsen seltene Pflanzen und man kann Libellen und anderes Getier bestaunen.

Gut ausgebaut ist der Weg bis nach Auerstedt, wo wir hinter dem Bahnhof die Gleise wieder kreuzen und uns alsbald in der Dorfmitte wiederfinden, mit Friedensdenkmal, Friedenskirche und dem sogenannten Schloss Auerstedt, eigentlich einem alten Rittergut. Auf der winzigen Terrasse vor dem Schlossrestaurant lassen wir uns einen Kaffee bringen, bevor wir die Anlage besichtigen, die während der grausamen Schlacht von Jena und Auerstedt im Jahr 1806 den französischen Truppen um Marschall Davout als Hauptquartier diente.

Etwas nachdenklicher rollen wir weiter den ausgewiesenen Weg in Richtung Eberstedt. Wir machen eine Linkskurve und sehen uns unerwartet einem richtigen Berg gegenüber. Wie gut, dass wir uns gerade gestärkt haben. Schnell erkennen wir die zwei Vorteile dieser Strecke: Zum einen geht es wirklich schnurgeradeaus, zum anderen kann man auf diese Weise an den Bäumen oben am Kammweg sehen, wann die Steigung geschafft ist. Und am Ende entpuppen sich die fast genau 1000 Meter auch als gar nicht so schlimm. Während es nämlich am Anfang richtig heftig nach oben geht, lässt dann die Steigung allmählich nach, so dass es immer besser rollt. Und wir werde für den Aufstieg „belohnt“: Mit einem fabelhaften Rundumblick von einer kleinen Schutzhütte aus.

Wir flitzen hinunter in Richtung Eberstedt und müssen öfter in die Bremsen steigen, damit unsere Räder nicht zu schnell werden. Achtung kurz vor der Einmündung des Radweges auf die Straße: Eine gepflasterte Querrinne hat hier schon zu mancher gefährlichen Situation geführt.

Rechts von uns liegt die herrliche Anlage der historischen Mühle Eberstedt. Entgegen unseres „Fahrplanes“ entschließen wir uns zu einer Rast. Das Areal ist einfach zu schön, um es links, in diesem Falle also rechts liegenzulassen. Ein Streichelzoo und ein Wasserrad flankieren das sogenannte schwimmende Hüttendorf, bei dem nicht nur der Steg, sondern auch die Häuser, in denen man spartanisch, aber bequem übernachten kann, sowie ein großes Freigelände. Alles ist sehr radfahrerfreundlich.
Im Ort Eberstedt kann man noch einen Laufbrunnen, eine Sonnenuhr und eine Radfahrer-Kirche entdecken und bestaunen.

Der letzte Abschnitt zurück nach Bad Sulza ist einfach zu fahren und sehr interessant. Auf unserem Weg kommen wir an den alten Solebohrtürmen von Darnstedt vorbei, an der relativ neuen Schule der Kurstadt, die den Namen „Toskana-Schule“ trägt. Wir streifen den Kurpark und fahren durch die Sophienstraße, bis wir über ein holperiges enges Brückchen auf den Weg in Richtung Weintor kommen.

Abschnitt 2: Bad Sulza - Kaatschen

Hier befinden wir uns nicht im Zentrum, wohl aber im Herzen der Stadt: Rechts grüßt der Wandelgang der Saline, und geradeaus auf dem Berg steht die Sonneburg als Thüringens jüngste Burgruine. Zur zweiten Schleife der Acht folgen wir zunächst dem Verlauf des Ilmtal-Radweges in Richtung Saalemündung. Wir kommen am schönen Bad Sulzaer Freibad vorbei, wo schon ordentlich Betrieb herrscht – es ist auch richtig schön warm geworden. Aufpassen müssen wir beim Überqueren der Landstraße. Zwar können uns die Autofahrer gut sehen, doch der Verkehr ist stark. Fast tischeben geht es die paar Kilometer bis Großheringen, wo findige Leute den kleinen Teich, vermutlich den Feuerlöschteich für das nahe Viega-Werk, mit lustigen Strohfiguren dekoriert haben. Wir grüßen den Frosch auf dem Fahrrad, nehmen einen Schluck aus der Wasserflasche und folgen dem Radweg bis zur Mündung der Ilm in die Saale. Dabei überqueren wir eine echte Hausbrücke und die Gleise, die uns daran erinnern, dass Großheringen ein wichtiger Knotenpunkt mehrerer Bahnstrecken ist. Dem Trubel des Verkehrs entfliehen wir auf einem ausgezeichneten Radweg, der uns parallel zur Saale bis zum kleinen Weindorf Kaatschen bringt. Wir holpern über die Saalebrücke, schlagen die entgegengesetzte Richtung ein und machen am Thüringer Weingut Zahn eine kleine Rast.

Idyllisch ist es hier: Die Terrassentische stehen direkt an der Böschungsmauer der Saale. Wir genießen einen kleinen Schluck Rosé und prosten einer Schlauchbootbesatzung zu, die gegen die Strömung des Flusses kämpft. Nein, da sind uns die Räder doch das komfortablere Fortbewegungsmittel.

Abschnitt 3: Kaatschen - Bad Sulza

Bei der Weiterfahrt staunen wir über die großen Rebflächen, die sich entlang des Kaatschener Dachsberges ziehen. Hier gedeihen also die flüssigen Leckereien.

In Kleinheringen befinden wir uns genau genommen bereits in Sachsen-Anhalt. Wir machen einen kleinen Abstecher zum Museumsgutshof Sonnekalb. Auch hier finden wir diese lustigen Strohfiguren, und zwar in einer Märchenscheune. In dem angeschlossenen rustikalen Hotel könnten wir auch übernachten, aber wir wollen ja unseren Ausflug zum Wein fortsetzen.

Wieder zurück auf der Landstraße nach Großheringen sind wir ruckzuck wieder über die Saale und in Thüringen angekommen. Kurz vor der Gaststätte Feldschlösschen biegen wir rechts ab und kämpfen uns den Rehehäuser Berg hinauf. Eine ordentliche Steigung – dachten wir. Bis wir an den Beginn der Schotterpiste kamen, einen stark ausgewaschenen und mit tiefen Spurrillen durchzogenen Feldweg. Der Steigungsmesser klettert kurzzeitig auf 14 Prozent – hier ist nichts mehr mit Treten. Wir steigen ab und schieben weiter. Geklettert ist auch die Sonne. Sie und die Steigung bringen uns gehörig ins Schwitzen. Es geht weit hinauf und ich tröste mich damit, dass uns dafür die Serpentinenauffahrt hinauf nach Sonnendorf erspart bleibt. Insgesamt 1,3 Kilometer sind es bis zum Gipfel, und ich habe das Gefühl, dass die Landschaft immer schöner wird, je höher wir klettern. Naturbelassene Wiesen, Hagebuttensträucher, Obstbäume. Oben finden wir Pferde auf der Weide, daneben ein wohl vom Blitz getroffener Baumriese.

Geradeaus führt eine Betonplattenstraße in Richtung Rehehausen. Wir wenden uns nach links, haben wieder Asphalt unter den Pneus und rollen entspannt in Richtung Sonnendorf. Dort liegt das zweite der Thüringer Weingüter. Winzer Andreas Clauß, seine Frau Kathrin und ihr Team keltern hier wunderbare Weiß- und Rotweine. Den Gutshof haben sie in den letzten 18 Jahren Stück für Stück ausgebaut. Wir legen eine kleine Rast ein und besuchen dann den Aussichtspunkt auf dem Sonnenberg mit einer wunderbaren Rundumsicht auf das Ilm- und weiter hinten das Saaletal. Sogar Großheringen mit seinem großen Viega-Werk kann man von hier aus sehen. Was – so weit sind wir nach oben geklettert? Noch rasch ein Blick in den Weinberg, wo wir feststellen, dass der Weiße doch noch einen guten Monat Sonne gebrauchen kann, und schon geht es weiter.

Wir sausen die Serpentinenstraße hinunter, biegen nach rechts in Richtung Bad Sulza ab und kommen kurz hinter der Eisenbahnbrücke wieder auf den Radweg, der uns am Freibad vorbei in Richtung Weintor bringt.
Und dort kommt uns eine geniale Idee. Schließlich ist der Eingang zum Freibad nur ein paar Meter entfernt. Und wir sind jetzt so richtig auf Erholung aus…

Quelle: Weimarer Land Tourismus | Autor: Klaus Jäger | Fotos: Uwe Germar

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