Was eine Dorfkirche mit kosmopolitischer Urbanität zu tun hat.

Oder: Der New Yorker aus dem Weimarer Land. Oder umgekehrt?

Traumstadt

Lyonel Feininger
und seine Dörfer

Nur allzu bekannt sind Lyonel Feiningers Dorfansichten von Gelmeroda – sie gehören zu den Kernstücken seiner Werke, die weltweit in Museen oder im Privatbesitz verstreut sind. Als Teil einer Lichtskulptur von Peter Mittmann wird die Dorfkirche in Gelmeroda abends durch farbige Scheinwerfer angestrahlt. Die dabei entstehenden Lichteffekte und der „Farbnebel“, insbesondere bei feuchter Luft und Regen, sollen an die Gemälde Feiningers erinnern.

Weitere Gemälde Feiningers, Bleistiftzeichnungen, Holzschnitte und hunderte Naturnotizen zeigen die Kirchen, Brücken und Ortskerne von Dörfern wie Kromsdorf, Mellingen, Possendorf, Vollersroda oder Zottelstedt.

Mit der Ausstellung Traumstadt – Lyonel Feininger und seine Dörfer, die zum hundertsten Gründungsjubiläum des Bauhauses im Kunsthaus Apolda Avantgarde gezeigt wurde, stand zum ersten Mal Feiningers künstlerische Beschäftigung mit Dörflichkeit und Urbanität und seine Vorstellung einer „alten“ und „neuen“ Welt im Fokus der Auseinandersetzung.

Das Weimarer Land steht ganz im Zeichen des deutsch-amerikanischen Malers, Grafikers und ersten Bauhaus-Meisters. Zwischen 1906 und 1937 begab sich der Künstler immer wieder für Arbeits- und Studienaufenthalte zu Fuß oder mit dem Rad ins Weimarer Umland. Die charakteristischen spitzen und verwachsenen Kirchen und Brücken hatten es ihm angetan. In deren Architektur fand er die Ursprünglichkeit, die er in der deut­schen Kulturlandschaft bislang vergeblich gesucht hatte.

Was Lyonel Feininger einfängt, sind Momente ländlicher Idylle, abstrahiert durch die Formen- und Farbenwelt des Bauhauses. Die Spuren seiner Motive sind auf dem Feininger-Radweg quer durch das Weimarer Land Live nachzuempfinden.

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